\ Horst
Horst / Berater
Aber wenn du gerade nichts zu erschaffen hast, erschaffst du vielleicht gerade dich selbst.
Ein Suchender zu sein bedeutet, dass das Finden nicht sofort passiert. Aber während der Wartezeit sollte man wenigstens wirklich schön wohnen.
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Wohnen bedeutet, eine Heimat gefunden zu haben für sich und sein Leben. Für Horst heißt es, in seine Kindheit zurückzukommen. Immer in der Nähe des Wassers, an dem und auf dem er seine Jugend verbracht hat. Geblieben ist die Liebe zum Segelsport, nicht mehr als Leistungsbeweis, sondern als Zeit im Einklang mit der Natur, die ihn umgibt. Es gibt keinen bedeutenden Mann, der sein ganzes Leben auf dem Festland verbrachte hätte, sagt Horst. Früh hat er die Vermutung, später im Leben weit mehr enttäuscht zu sein über die Dinge, die er nicht getan hat, als über die Dinge, die er getan hat. Also Knoten lösen, raus aus dem sicheren Hafen. Jahre später kommt der Sohn eines Tischlers wieder zurück. In ein zu dem Zeitpunkt komplett leeres Haus.

Man kann keine neuen Ozeane entdecken, hat man nicht den Mut, die Küste aus den Augen zu verlieren

Eine gute Einrichtung wird nie wirklich fertig. Sie muss wachsen, sagt Horst. Organisch, Stück für Stück. Manche Bereiche im Haus bleiben einfach eine Zeit lang leer, Einrichtung ist kein fertiges Wohnkonzept, eher ein wachsendes System. Von Besuchen auf Vintage Möbelmärkten kehrt er in unregelmäßiger Folge mit einem Stück zurück. Manchmal mit zweien oder dreien, oft ohne Ausbeute. Ich suche die perfekten Stücke für den richtigen Ort im Haus, sagt er. Kompromisse sind nicht drin, weil irgendwann in einem Leben der Moment kommt, an dem Horst beschließt, Moden hinter sich zu lassen. Dann beginnt die Zeit der Zeitlosigkeit. Und die Substanz rückt dann in den Vordergrund. Dinge werden entdeckt. „Man kann keine neuen Ozeane entdecken, hat man nicht den Mut, die Küste aus den Augen zu verlieren“, zitiert er André Gide. Dessen Erzählung „Die Reise Urians“ steht im Bücherregal. Wieder das Wasser als Thema einer Reise auf der Orion führt zu den chimärischen Inseln. Dort werden die Männer von schönen liebestollen Frauen gefangen gehalten. Die Matrosen ergeben sich rasch, der harte Kern, elf Männer um Urian, leisten sogar den Liebkosungen der duftenden Königin Haïatalnefus tapfer Widerstand. Nein, daran ist nichts Autobiografisches. Aber die Geschichte ist schön. Echt.

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Wie die Werkbank, die als Küche dient, im Mittelpunkt des Hauses. Ein Entwurf von Piet Hein Eek, dem Holländer, der seit Beginn der 90er Jahre Möbel aus Abbruchholz entwirft und herstellt. Mich verbindet viel mit der Gedankenwelt dieses Mannes, sagt Horst. Einerseits hat er eine breite Produktpalette, die vom Sitzmöbel über Lampen bis zu Go-Karts reicht. Andererseits findet er seine Inspiration in den alten Materialien, die er nutzt: Abfallholz, alte Metallplatten und Fabrikschrott. Während er sich intensiv mit dem Arbeitsmaterial auseinandersetzt, entsteht das Konzept der Stücke und Eek erschafft etwas, was jeder in seiner Wohnung haben will – ein Original. Solche Stücke stehen dann bei wenigen ausgewählten Händlern auf der Welt. Bei Cïbone in Tokio oder im Museum of Modern Art in New York. In bester Gesellschaft also.

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Fest steht für mich: Lieber sitze ich am Boden als auf dem falschen Sofa.

Es ist Nachmittag, Horst macht sich auf den Weg zur Anlegestelle. Eine kurze Auszeit, gleich um’s Eck, das reicht. Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr, sagt Horst.

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